
Allein in Äthiopien (ca. 82 Mio. Einwohner) erleiden jedes Jahr über 9.000 Frauen und Mädchen Geburtsverletzungen. 92 % aller Frauen in Äthiopien gebären ohne jegliche medizinische Hilfe, auch im Notfall ist keinerlei fachkundige Versorgung möglich. Ist bei einer Geburt der Fötus zu groß für den Geburtskanal, so presst der kindliche Kopf in tagelangen Wehen und mit großer Kraft gegen das umliegende mütterliche Gewebe und drückt dieses gegen die Knochen. Die Blutversorgung in das umgebende mütterliche Gewebe wird unterbrochen, dieses stirbt ab. Nach Tagen kommt es in den meisten Fällen zu einer Totgeburt. 30-40% der Mütter sterben während einer solchen Geburt, überlebt aber die Mutter, bleibt sie schwer verletzt. Das geschädigte Gewebe kann nicht vom Körper wiederhergestellt werden, es entsteht eine bleibende Öffnung zwischen Blase und Scheide, manchmal aber auch zum Enddarm. Die betroffenen Frauen leiden für den Rest ihres Lebens an schwerster Inkontinenz.
Das Auftreten von Geburtsverletzungen bei Frauen in Entwicklungsländern ist durch mehrere Faktoren gekennzeichnet:
In ländlichen Gegenden ist eine medizinische Versorgung kaum vorhanden – es
gibt weder Ärzte, Hebammen oder Krankenschwestern, noch Krankenstationen.
Nur in Städten gibt es Krankenhäuser, die aber meist nur mit dem allernötigsten
ausgestattet sind.
In Äthiopien gibt es nur 1 Hebamme pro 60.000 Einwohner,
und nur 1 Arzt für 38.000 Einwohner - statistisch gesehen. In der Realität
leben die meisten Ärzte und Hebammen in der Stadt. In den Dörfern gibt
es keinerlei medizinische Versorgung.
In den ländlichen Regionen können nur sehr wenige Menschen lesen und schreiben,
Schulen gibt es kaum. Die Mädchen müssen schon in frühester Kindheit bei
der Betreuung der Geschwister, Hausarbeit und in der Landwirtschaft mithelfen.
Die Menschen wissen in der Regel nicht, was in ihrem Körper vorgeht und
haben auch keinerlei hygienisches Basiswissen. Wie überall auf dem Lande
sind auch hier die Menschen sehr in ihren Traditionen verankert. Die Gesellschaft
ist patriarchalisch ausgerichtet. Besonders in Nordäthiopien ist es Tradition,
die Mädchen schon sehr früh zu verheiraten. Oft werden die Mädchen bald
nach Beginn der Menstruation schwanger. Sie wissen nicht, was während der
Schwangerschaft in ihrem Körper vorgeht. Es stehen ihnen nur die Schwiegermutter
und einige Dorffrauen bei. Bei Komplikationen während der Geburt sind die
Mädchen und Frauen völlig auf sich allein gestellt. Müttersterblichkeit
kommt dort mehr als tausendmal so häufig vor wie bei uns. Selbst wenn Frauen
solch dramatische Geburten überleben, tragen sie Verletzungen davon, die
sie für den Rest ihres Lebens zeichnen.
Frauen, die an Blasen-Scheiden-Fisteln leiden, werden häufig vom Ehemann
verstoßen. Aber auch, wenn sie zu ihren Eltern zurückkehren können,
ist ihr Leben sehr beeinträchtigt. Der Gestank und die hygienischen
Probleme machen das Zusammenleben mit anderen schwer. Wasser muss von weit hergeholt
werden und Seife ist teuer.
Viele leben isoliert in einer Hütte am Rande des elterlichen Anwesens,
wo sie ein menschenunwürdiges Dasein fristen. In vielen afrikanischen Kulturen
wird eine solche Erkrankung als selbstverschuldet angesehen – so
kommt zum Schmerz und der Trauer auch noch der Verlust von Selbstachtung
hinzu.
Das Leben einer äthiopischen Frau unterscheidet sich sehr von deutschen
Frauen. Ihre Lebenserwartung beträgt mit 41 Jahren nur die Hälfte. In der
Regel heiratet sie mit etwa 17 Jahren und bringt fünf bis sechs Kinder
zur Welt. Nur jede dritte Frau auf dem Land kann lesen, der Anteil der
Bevölkerung, der mit weniger als 2 US $ pro Tag leben muss, liegt bei 78
%. Auch sind sehr schmerzhafte traditionelle Praktiken verbreitet wie z.
B. die Genitalverstümmelung von Mädchen. Die Rate
liegt bei etwa 70 %. Frauen bringen ihre Kinder zu Hause zur Welt, ohne jegliche medizinische
Hilfe. Schwangerschaft und Geburt stellen für Frauen ein riskantes Unterfangen
dar. Die Müttersterblichkeit in Äthiopien zählt weltweit mit zu den höchsten.
Weltweit leiden derzeit etwa zwei Millionen Frauen an Blasen-Scheiden-Fisteln.
Viele der betroffenen Frauen und Mädchen leben versteckt und sind sich
selbst
überlassen. Solange es keinen Zugang zu professioneller Geburtshilfe gibt,
wird das Problem bestehen bleiben. Betroffen ist vornehmlich Afrika südlich
der Sahara, außerdem kommen Geburtsfisteln in arabischen Ländern,
Indien und Südostasien vor.
Unter einer Blasen-Scheiden-Fistel versteht man eine artifizielle Verbindung zwischen dem Geburtskanal und anderen inneren Organen. Bei lange andauernden Wehen, drückt der Kopf des Fötus' gegen die Knochen und unterbricht so die Blutzirkulation des dazwischen eingeklemmten mütterlichen Gewebes. Dieses Gewebe stirbt ab. Später bleibt an dieser Stelle eine Verbindung zwischen den beteiligten Organen bestehen. Die häufigste Form ist die vesicovaginale Fistel, auch VVF. Es kann sich aber auch eine Fistel zum Enddarm (Rektum) bilden, rectovaginale Fistel oder RVF. Durch die entstandenen Verbindungen kann Urin und/oder Stuhlgang nicht mehr kontrolliert werden: die Betroffenen leiden unter schwerster Inkontinenz.
Wenn die Wehen sehr lange anhalten, können durch den Druck des Kindes auf das mütterliche Gewebe Fisteln entstehen. Weltweit haben etwa 5 % aller schwangeren Frauen Komplikationen bei der Geburt. Während in Deutschland und anderen Industrienationen eine medizinische Notfallversorgung gewährleistet ist (und ein Kaiserschnitt durchgeführt wird), findet man in Entwicklungsländern nur wenige Krankenhäuser und wenige Ärzte. Ein Transport in das nächstgelegene Krankenhaus ist nicht möglich, denn dieses ist viel zu weit entfernt. Straßen oder Transportmöglichkeiten gibt es nicht. So können die Komplikationen bei der Geburt zum Tod von Mutter und Kind führen. Die Häufung von Geburtsfisteln ist auch bedingt durch das kleine, unflexible Becken der mangelernährten, kleinwüchsichen, meist jugendlichen Mutter und die Unkenntnis der helfenden weiblichen Familienangehörigen über den Geburtsverlauf und seine Komplikationen.
nach obenDie meisten geburtsbedingten Fisteln kann man durch eine relativ einfache Operation heilen. Im Fistula-Hospital in Addis Abeba werden über 90 % aller Patientinnen geheilt.
Die Patientinnen im Addis Abeba Fistula-Hospital werden kostenlos behandelt.
Das Krankenhaus rechnet mit durchschnittlich 300-400 Euro pro Patientin.
Darin sind die Operationskosten, der Krankenhausaufenthalt, ein neues Kleid
sowie die
Busfahrkarte für die Heimfahrt enthalten.
Mit Recht kämpfen viele Organisationen gegen weibliche Genitalverstümmelungen. Diese sind jedoch nicht der Verursacher von Geburtsfisteln. Viele Patientinnen im Fistula-Hospital in Addis Abeba wurden Opfer dieser schrecklichen traditionellen Praktiken. Ihre Fisteln entstanden aber fast ausschließlich durch tagelang andauernde Wehen, die durch ein zu enges Becken oder falsche Kindslage verursacht wurden. Durch weibliche Genitalverstümmelung selbst entstehen keine Fisteln.
Fisteln als Geburtskomplikationen treten überall dort auf, wo im Notfall keine Kaiserschnitt- Entbindung durchgeführt werden kann. Auch in Europa und Amerika waren Fisteln früher häufig. Mit Einführung des Kaiserschnittes jedoch, sind Fisteln 'ausgestorben'. In Entwicklungsländern mit mangelnder medizinischer Versorgung sind Fisteln noch heute ein großes Problem. Leider ist dies bei uns fast unbekannt, da die Frauen in Afrika und Asien keine Lobby haben.
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Die genaue Zahl der Frauen, die an Geburtsfisteln leiden, ist sehr schwer
zu ermitteln. Das kommt daher, dass die Frauen oft in entlegenen Gebieten
leben, wo es keine Krankheitsstatistiken gibt. Allgemein schätzt man, dass
weltweit jedes Jahr 50.000 bis 100.000 Frauen Geburtsfisteln erleiden.
In Äthiopien rechnet man mit etwa 9.000 neuen Fällen jährlich. Weltweit
sind etwa zwei Millionen Frauen betroffen, von denen jedoch nur wenige
behandelt werden können.
Frauen, die mit Hilfe eines Arztes oder einer erfahrenen Hebamme gebären,
werden keine Fisteln bekommen. Das Addis Abeba Fistula-Hospital hat fünf
Außenzentren in äthiopischen Provinzen aufgebaut. Dort sollen eine
qualifizierte Geburtshilfe und Fistula-Operationen ermöglicht werden. Seit
2008 gibt es auch eine Hebammenschule, zusätzlich werden "Healthworker" ausgebildet,
die die Bevölkerung in den Dörfern aufklären sollen. Damit leisten sie
einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Prävention. Denn Fisteln sind
vermeidbar. Unsere Zukunftsvision ist es, allen Frauen ermöglichen zu können,
ihr Kind mit optimaler Hilfe zur Welt zu bringen.
Mit Ihrer steuerabzugsfähigen Spende an den Fistula e. V. unterstützen Sie direkt das Addis Abeba Fistula-Hospital. Durch Ihre einmalige oder regelmäßige finanzielle Unterstützung ermöglichen Sie es, den Frauen in Äthiopien ihre Gesundheit und ihre Würde zurückzugeben.
Mit Ihrer Spende an Fistula e. V. unterstützen Sie direkt die Ausbildung der Healthworker und damit das wichtige Präventionsprogramm in der im Oktober 2010 eröffneten Außenklinik in Metu. Sie tragen damit dazu bei, dass das Problem der Geburtsfisteln mittelfristig auch in Äthiopien der Vergangenheit angehört.
nach obenSachspenden sind immer gut gemeint, stellen Fistula e.V. jedoch häufig vor unlösbare logistische Probleme. Die äthiopischen Behörden haben sehr strenge Zollbestimmungen, deshalb können im Allgemeinen keine gebrauchten Instrumente oder Geräte verschickt werden. Das Fistula Hospital spezifiziert regelmäßig seinen Bedarf an medizinischen Verbrauchsmaterialien, die in Äthiopien nicht erhältlich, jedoch dringend benötigt werden. Diese kauft Fistula in Europa in größeren Mengen und meist mit guten Rabatten ein und sendet sie nach Äthiopien. Mit Geldspenden für diesen Zweck kommt Ihre Hilfe wirklich an!
Informieren Sie Ihre Patienten in Klinik und Praxis. Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Freunden über das Fistelproblem in Entwicklungsländern. Je präsenter das Thema bei uns ist, desto eher wird sich in der Dritten Welt etwas ändern.
Informationsmaterial für das Wartezimmer können Sie kostenlos direkt hier bestellen:
- Fistula Informationsbroschüren (20 Stück)
- Fistula Postkarten-Set (10 Stück
- Fistula Wandposter (DIN A 2)
Wenden Sie sich einfach an Frau Dr. Teltschik teltschik@fistula.de.
Fistula e.V. sucht engagierte Mediziner, die bereit sind, wissenschaftliche Vorträge im Kollegenkreis, vor Hebammen oder auch vor Laien zu halten. Der Verein freut sich über neue, aktive Mitglieder. Fistelpatientinnen brauchen auch Fürsprecher in entwickelten Ländern - nur mit unserer Unterstützung wird sich die Gesundheitsvorsorge in den Entwicklungsländern nachhaltig ändern.
Bei Interesse wenden Sie sich bitte direkt an: Frau Dr. Teltschik teltschik@fistula.de
Das Addis Abeba Fistula Hospital bietet begrenzte Hospitationen vornehmlich für Ärzte aus der Dritten Welt an. Ein Arbeitsbesuch kann für deutsche Ärzte und für das Fistula Hospital eher belastend als sinnvoll sein. Fistula e.V. empfiehlt dies daher in der Regel nicht.
Allerdings gibt es von einem ehemaligen, langjährigen Mitarbeiter des Fistula-Hospitals, Dr. Andrew Browing, ein Projekt, das geburtshilfliche Kliniken in ländlichen Regionen Äthiopiens aufbaut. Hierfür werden zur Projektarbeit englischsprachige Hebammen, GynäkologInnen und GeburtshelferInnen gesucht, die sich für einen mindestens drei Monatigen Arbeitseinsatz verpflichten. Diese präventive Maßnahme unterstützen wir gerne.
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die Barbara May Foundation: www.maternityafrica.org
Sie haben eine Frage? Bitte kontaktieren Sie uns: info@fistula.de
Weltweit geschätzte
Fistelpatientinnen
2 Mill.


Webmaster: www.ideenzone.de | Fotos: Lucy Perry - Hamlin Fistula Australia und Fistula e.V. Deutschland