Traditionell sind Burkinabè Frauen eher zurückhaltend. Aufgrund der Fistel werden sie von der Gemeinschaft offen geächtet und ziehen sich noch mehr zurück. Es ist eine große Aufgabe für das Reintegrationsteam des ARENA Fistula Hospitals, die Patientinnen zu einem offenen Gespräch über ihre Sorgen und zur aktiven Teilnahme an den Veranstaltungen zu bewegen.
Das ARENA Team hat sich deshalb dazu entschieden, die Reintegration innerhalb von drei Wochen stattfinden zu lassen, unterbrochen von der Zeit, die die Patientin nach der Operation im Bett liegen muss. Sie kann an einer Veranstaltung des nächsten Turnus teilnehmen und verpasst nichts. Da das Reisen aufgrund der Instabilität im Land schwierig ist, haben so alle Frauen die Möglichkeit, an Reintegrationsmaßnahmen teilzunehmen.
Neben den Hebammen, die über die normale Geburt berichten, kümmern sich zwei ausgebildete Traumatherapeuten um die psychische Stabilisierung der Frauen und Mädchen. Jede Teilnehmerin lernt professionell die Seifenherstellung und bekommt ein verhältnismäßig hochpreisiges Kit mit Eimern, Messbechern und Chemikalien mit nach Hause, um ihr die Grundlage für einen kleinen Verdienst auf dem lokalen Markt zu schaffen.
Besonders schwer ist es für jüngere Patientinnen, häufig Nomadenmädchen, die von der Familie verstoßen wurden. Für sie und andere Interessierte wurde eine sechsmonatige Ausbildung im Schneiderhandwerk geschaffen. Zwei Lehrmeister unterrichten an alten mechanischen Nähmaschinen und in kurzer Zeit wird das erste selbstgenähte Kinderkleidchen stolz präsentiert. Natürlich nehmen sie weiterhin an allen Reintegrationskursen teil und erhalten besondere therapeutische Betreuung während dieser Zeit.
Zum Abschluss der Ausbildung findet eine Prüfung statt und sie erhalten ein Zertifikat bei Bestehen. Es geht nach Hause oder in eine betreute Umgebung mit eigener Nähmaschine, Bügeleisen, Stoff und den notwendigen Nähutensilien. Ein Kit zur Seifenherstellung ist auch dabei. Die Weiterbetreuung durch einen Sozialarbeiter der Organisation erfolgt über weitere sechs Monate, um Hilfestellung für die Eingliederung in die neue Lebenssituation zu geben.
Ausbildung und Nachbetreuung dauern ein ganzes Jahr und kosten etwa 1.500 Euro pro Teilnehmerin.
Fistula e.V.finanziert dieses Projekt mit Spenden. Gerade junge Frauen brauchen die Chance, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.